Kreta – zwischen Paulus, Zeus und der Lust am Leben

Nachricht 24. Oktober 2026

Reisebericht von Doris Hilgemann

Biblisch-kulturelle Exkursion der Osnabrücker Bibelgesellschaft | 3.–10. Oktober 2026

Was haben der Apostel Paulus, der Göttervater Zeus, eine uralte Platane und eine Reisegruppe zwischen Anfang zwanzig und siebzig gemeinsam? Nach acht Tagen auf Kreta erstaunlich viel! Unsere Exkursion führte uns zu den Wurzeln europäischer Kultur, zu biblischen Überlieferungen und immer wieder zu neuen Fragen.

In Knossos, Phaistos und im Archäologischen Museum von Heraklion begegneten wir der faszinierenden minoischen Welt. In Gortyn trafen antike Rechtsgeschichte, der Mythos von Zeus und Europa und die Geschichte des frühen Christentums aufeinander. Hier wirkte der Überlieferung nach Titus, ein Mitarbeiter des Paulus. Die berühmte Platane, unter der Zeus Europa begegnet sein soll, wirkte heute eher bescheiden – offenbar hinterlassen selbst göttliche Liebesgeschichten nicht immer prachtvolle Spuren.

Das Kloster Arkadi erinnerte eindringlich an Freiheitswillen und menschliches Leid. Kritsa, Agios Nikolaos und Rethymno eröffneten weitere Einblicke in die bewegte Geschichte und religiöse Kultur der Insel. Auch Nikos Kazantzakis, der Schöpfer von Alexis Sorbas, begleitete uns gedanklich: mit seinen Fragen nach Gott, Freiheit und dem Sinn des Lebens.

Ein besonderer Dank gilt Professor Dr. Anselm Hagedorn. Mit beeindruckendem Fachwissen, wissenschaftlicher Präzision und ansteckender Begeisterung führte er uns durch die historischen Stätten. Er verband Archäologie, Mythologie und biblische Überlieferung, erklärte anspruchsvolle Zusammenhänge verständlich und ließ Raum für kritische Fragen. Seine Führungen waren Vorlesungen unter kretischer Sonne – nur dass niemand auf die Uhr schaute. Eine außergewöhnliche Bereicherung!

Nicht weniger eindrucksvoll war das generationsübergreifende Miteinander. Zwischen Anfang zwanzig und siebzig lagen viele Lebensjahre, aber kaum Berührungsängste. Wir fragten, diskutierten, lachten und lernten voneinander. Pastorin Dr. Laura Schimmelpfennig trug mit ihrer herzlichen, engagierten Begleitung wesentlich zu dieser offenen und wohltuenden Gemeinschaft bei.

Was bleibt? Eine Woche voller Geschichte, Glauben, Denkanstöße und Begegnungen.

Mein persönliches Fazit: grandios – geistig anregend, menschlich bereichernd und unbedingt wiederholenswert!
Nicht unbedingt noch einmal Kreta: Sollten Professor Hagedorn und Pastorin Schimmelpfennig eine weitere Exkursion planen, wäre ich sofort dabei. Das Reiseziel wäre fast nebensächlich – Hauptsache, die beiden und eine ebenso wunderbare Reisegruppe sind wieder mit von der Partie!

... und noch ein paar O-Töne von Teilnehmenden: Paulus im Gespräch ...

... mit Janne: „Ich würde die Reise auf jeden Fall noch mal antreten, weil ich es super schön fand, in so einer Gruppe zusammen zu kommen, deren Menschen man überhaupt nicht vorher kannte. Trotzdem hat sich direkt so ein Gefühl von Gemeinschaft entwickelt und alle sind super offen und lieb. Ich kann mich tatsächlich gar nicht auf eine Lieblingssight festlegen, es war alles super spannend!“

... mit Lotte: „Mir gefällt die Reise sehr gut! Besonders gut gefällt mir dabei, dass wir jetzt nach der Archäologievorlesung auch alles mal live erleben können. Ich würde die Reise auf jeden Fall nochmal antreten und würde sie auch weiterempfehlen. Ich finde es super, dass wir so eine Altersspanne abbilden; es ist total wertvoll auch mit Leuten, die deutlich älter sind als ich, ins Gespräch zu kommen. Das hab ich hier besonders schätzen gelernt!“

... mit Hannelore: „Es hat mich auch alles tief bewegt und ich fand es ganz klasse, dass ich als älteste Frau der Gruppe integriert wurde und mitmachen durfte, hat mir gut gefallen!“

... mit Bengt: „Ich bin ohne Vorstellung gekommen, wusste gar nicht, was auf mich zukommt. Ich bin also von der ganzen Gruppe begeistert. Ich habe viele Dinge, die ich vorher nicht gesehen habe, aufgenommen. Ich hab ein bisschen Literatur gekauft, um da nach der Fahrt ein bisschen einzusteigen. Ich bin also begeistert. Für mich waren das alles früher tote Steine, aber es ist lebendig, das ist einfach lebendig und das hab ich jetzt langsam begriffen.“

… und mit Victoria: „Kreta ist eine Bühne, auf der sich vor dem Hintergrund einer beeindruckenden Naturlandschaft seit Jahrtausenden Geschichte und Geschichten in höchster Intensität abgespielt haben und weiterhin abspielen. Von Zeus und dem griechischen Pantheon über die Ikonen der christlichen Tradition bis zu den Heiligen der Gegenwart und ihren Kulten - ob religiös angebunden oder der Suche nach der tiefsten Urlaubsentspannung verpflichtet - findet hier dicht gedrängt das Leben statt. Für eine Woche in dieses vielstimmige Spiel einzutauchen, war aufregend, berührend, überwältigend, aufwühlend, teils verstörend, immer echt. Auf ein nächstes Mal!“

Impressionen unserer "Reisebegleiter"